Mittwoch, 10. Oktober 2012

Indonesische Namen und Höflichkeit


Namen sind eine schwierige Sache in Indonesien. Man hat nicht einen Vornamen und einen Nachnamen, sondern beliebig viele Namen, Familiennamen gibt es nicht. Das kann zu großen Problemen führen, zum Einen, weil man nie weiß, wie man jemanden nennen soll. Meine Schwester heißt zum Beispiel Meidy Rahma Dhana. Bei uns würde man sie wahrscheinlich Frau Dhana nennen. Hier kennt man sie unter dem Namen Meidy, aber in der Familie heißt sie Rahma. Zum Anderen haben manche Leute nur einen Namen. Hafiz hat mir von einem seiner Kollegen erzählt, der einfach nur Ronal heißt. Was macht er, wenn er einen Nachnamen angeben muss? Er gibt einfach zweimal den gleichen Namen an, deshalb heißt er jetzt Ronal Ronal.
Schwierig ist es auch, wie man wen anspricht. Die höflichste Form ist Ibu/Bu (Mutter) bzw. Bapak/Pak (Vater). So wird man normalerweise ab ca. 30 genannt. Unsere Head of Education heißt zum Beispiel Bu Pratiwi, also Frau Pratiwi. In IGTC nimmt man immer die Höflichkeitsform, deshalb wurde ich den anderen Lehrern als Ibu Rosa vorgestellt. Schon komisch.
Jüngere Leute nennt man in Java meist Mas bzw. Mbak, also Bruder bzw. Schwester. Hier ist jeder Familie J.
Auch zu Hause ist das mit der Anrede nicht so einfach. Die älteren Geschwister nennt man Kakak oder Kak, also z.B. Kak Pipit. Die jüngeren Geschwister werden Adik bzw. Dik genannt, also z.B. Dik Rahma.
Bei Bina Antarbudaya nennt man einfach jeden Kak, egal wie alt. Das ist von Einrichtung zu Einrichtung verschieden.
Wie ihr seht, nimmt man für die Anrede den Rufnamen bzw. einfach den ersten Namen. Das führt dann manchmal zu für uns lustigen Ergebnissen: Der Gründer von IGTC ist ein Deutscher, Till Freyer. Wir würden ihn ja Herr Freyer nennen. Hier heißt er Mr. Till.
Die Sache mit den Anredeformen ist nicht so einfach, man weiß nie so genau, welche Anrede am höflichsten ist. Aber ich denke, das kommt mit der Zeit, dass ich es besser einschätzen kann.

Öffentliche Verkehrsmittel


Ja, der Verkehr in Indonesien, ein Abenteuer für sich. Ich bin froh, dass AFS mir verbietet, jegliches Fahrzeug zu fahren, das einen Motor hat. Ich würde nach einer Minute den ersten Unfall bauen. Zum Glück gibt es ein großes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln. Züge gibt es nicht so viele, nur die Pendlerzüge nach Jakarta. Und die sind für ihre Überfüllung berüchtigt. Seit Anfang Oktober gibt es auch speziell für Frauen reservierte Züge. Vorher gab es nur zwei Wagons pro Zug für Frauen. Diese Frauenabteile gibt es auch in manchen Bussen, allerdings nicht in dem, den ich benutze. Der Transpakuan kostet Rp 4 000 pro Fahrt (1€ entspricht ca. Rp 11 000). Das ist der teure Bus. Im billigeren darf man rauchen und anscheinend auch Tiere mitnehmen (also Hühner usw.). Den habe ich aber noch nicht ausprobiert. Im Transpakuan ist es wichtig, dass man dem Schaffner genau zuhört, wenn er die Haltestellen ansagt. Wenn man schläft und sich nicht meldet, dass man aussteigen will, hält der Bus nicht an.
Das nächste wichtige Verkehrsmittel ist das Angkot, eine Art Sammeltaxi mit fester Route. Ich kenne mich mit den Angkotnummern aber noch nicht so gut aus, weil ich normalerweise nicht damit fahre. Angkots haben keine Haltestellen. Wenn man einsteigen will, stellt man sich an den Straßenrand und winkt. Beim Aussteigen ist es genauso: Man kann überall aussteigen, man ruft einfach „Kiri!“ („links!“). Bezahlt wird beim Fahrer, der Preis beträgt Rp 2 000. Am meisten Spaß macht das Ojek. Das sind Motorrollertaxis. Wenn irgendwo an einer Straßenecke eine Gruppe Männer mit Motorrollern steht, sind es meist Ojeks. Ojeks sind am teuersten, je nach Strecke kosten sie ab Rp 5 000 aufwärts. Dafür geht es auch recht schnell.
Wie ihr seht, ist der ÖPNV hier ziemlich billig. Natürlich ist der Komfort geringer, Angkots haben beispielsweise keine Tür und man muss die ganze Zeit die Abgase einatmen. In den Transpakuan regnet es manchmal rein und ich habe es auch in Deutschland noch nie erlebt, dass der Bus mitten auf der Strecke zur Tankstelle musste. Das passiert mir hier fast täglich. Aber mir persönlich ist es lieber, auf Komfort und automatische Türen zu verzichten und dafür statt 2,40€ nur 30ct zu zahlen J. 
Einmal sind meine Schwestern und ich auch schon mit dem Fahrrad gefahren. Das ist ziemlich nervenaufreibend in dem Verkehrschaos und man sollte eine Atemmaske tragen, aber ich glaube, ich will es trotzdem öfters machen, bis jetzt habe ich hier nämlich noch keinen Sport.
Was mir hier sehr gut gefällt, ist, dass es in den meisten großen Städten jeden Sonntag auf mindestens einer der Hauptverkehrsstraßen ein Autoverbot gibt. Da kann man dann Rad fahren oder spazieren gehen und natürlich gibt es einen Haufen Straßenhändler. Leider sind das in Bogor nur zwei Stunden, von sieben bis neun Uhr morgens und das auch nur auf einer Straße.


Der erste Monat ist vorbei...

Das ging aber schnell! Jetzt bin ich schon einen Monat hier. Der Alltag hat sich schon eingespielt, mit den Fahrten zur Arbeit und so weiter. Inzwischen schlafe ich immer im Bus, weil ich nicht mehr panisch aufpassen muss, dass ich meine Haltestelle nicht verpasse.
Fotos habe ich noch nicht so viele gemacht, weil ich mir erst eine Speicherkarte kaufen musste. Aber die werden nachgeliefert, versprochen!
Aus irgendeinem Grund kann ich heute das erste Mal seit langem etwas in den Blog schreiben, unser Internet hier ist nicht so berauschend. Deshalb kommen jetzt alle Posts auf einmal. Ich werde noch zu ein paar Themen etwas schreiben, von denen ich denke, dass sie interessant sein könnten.
Aber bitte schreibt mir, ich freue mich immer über Post und ich checke meine e-mails auch täglich.
Meine Adresse ist rosahinzpeter@aol.com. Sonst fange ich an, mich hier einsam zu fühlen. Momentan ist meine Arbeit nämlich noch nicht so spannend, aber das ändert sich voraussichtlich nächste Woche, wenn ich anfange, auch reguläre Unterrichtsstunden alleine zu halten.

Die letzten Tage habe ich trotzdem ziemlich viel erlebt. Die Schüler sind unglaublich. Am Donnerstag hatte ich abends von 18-19 Uhr additional English class mit ENT-2, das sind die, die nicht so gut Englisch können. Erstmal hatten es alle vergessen bzw. nicht auf den Stundenplan geschaut. Aber die Stunde hat total Spaß gemacht. Wir haben ein Vokabelspiel gespielt, das ich eigentlich für die ganze Stunde geplant hatte. Es hat dann aber nicht ganz so lang gedauert und fünf Minuten vor Schluss hatte ich keine Idee mehr. Dann wollte ich sie früher gehen lassen, aber die wollten einfach nicht! Jeder andere Schüler würde sich freuen, wenn er früher aus hätte. 
Am Freitag waren wir mit MMQ 24 und 23 unterwegs. Zuerst waren wir bei Coats, dem weltgrößten Hersteller von Nähgarn, und dann bei YKK. Wahrscheinich könnt ihr mit dem Namen nicht so viel anfangen, aber egal, was ihr gerade anhabt, irgendwas wird einen Reißverschluss haben. Und da steht garantiert YKK drauf. Irgendwie faszinierend, ich habe den Schriftzug schon so oft gesehen, aber ich bin nie draufgekommen, als ich in IGTC von YKK gehört habe. So ziemlich jeder Reißverschluss stammt von denen. Die Fabrikbesichtigung war auf jeden Fall sehr interessant, nur leider nicht auf Englisch.
Am Samstag hatte ich meine erste Tanzstunde in IGTC. Als dann mal Schüler da waren, hat es auch richtig Spaß gemacht. Ich habe ihnen Chachacha beigebracht und langsamen Walzer. Die Schüler wollen unbedingt an der nächsten Graduation was vorführen. Die ist leider schon in zehn Tagen, also müssen wir noch zusätzliche Treffen arrangieren. Auch wieder so ein Fall von unerwartetem Enthusiasmus. Bei uns wären die Schüler nicht so selbstbewusst. Bei der Graduation wird es auch wieder einen Haufen Solosänger geben, die Schüler trauen sich hier so viel mehr.   

Meine Arbeit


Das International Garment Training Centre, kurz IGTC, ist nicht so leicht zu erklären. Die wichtigsten Punkte sind auf der Webseite erklärt: http://www.igtc.or.id/igtc/
Für mich relevant sind eigentlich nur MMQ und Entrepreneur. PMF und SOP haben keinen Englischunterricht. Das beste Englisch können die Schüler von MMQ. Entrepreneur hat nur einmal pro Woche Englisch. Da ist es mir mit ENT-1 gleich in der ersten Stunde, die ich allein gehalten habe, passiert, dass ich vor der Klasse stand und einfach niemand mich verstanden hat. Bei ENT gibt es dann meist einen oder zwei Schüler, die ein bisschen Englisch können und für die anderen übersetzen. Was natürlich den Sinn einer Englischstunde nicht so ganz trifft. ENT-1 hat übrigens in zwei Wochen Graduation.
Momentan unterrichte ich zwei Klassen im Extracurricular, MMQ 23 und ENT-2. Letztere verstehen mich auch noch nicht so ganz gut, aber bis jetzt haben wir nur eine Vorstellungsrunde gemacht, sodass alle gezwungen waren zu reden. Das hat eigentlich auch ganz gut geklappt. Ich bin mal gespannt, wie es weitergeht...


Ein normaler Arbeitstag sieht bei mir so aus: Ich stehe um fünf Uhr morgens auf, um sechs sollte ich spätestens an der Bushaltestelle sein. Meistens fährt mich Nuni, manchmal laufe ich auch. Dann fahre ich mit dem Bus zum Treffpunkt für das Office Car, welches die Lehrer zur Arbeit bringt. Sentul ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nämlich fast unmöglich zu erreichen. Um ca. sieben Uhr kommen wir im IGTC an, um 7.15 Uhr beginnt der Unterricht. Noch unterrichte ich nicht offiziell, ich assistiere nur im Englischunterricht. Wenn ich keine Englischstunden habe, hospitiere ich in anderen Fächern, zum Beispiel in Garment Related English. Außerdem bereite ich meine Extracurricular Activities vor. Nach Ende der Schulstunden gibt es zusätzliche Englischkurse, aber auch andere Aktivitäten wie Singen oder Häkeln. Ich gebe zweimal in der Woche Englischstunden und alle zwei Wochen samstags einen Tanzkurs. Der Unterricht geht normal bis 16.30 Uhr, wenn ich Extracurricular habe bis sechs oder sieben.  Nach Hause brauche ich dann wieder mindestens eine Stunde. Von der Bushaltestelle kann ich heimlaufen, oft nehme ich aber ein Ojek. Erstens bin ich schneller zu Hause, zweitens macht Motorroller fahren Spaß J. Zu Hause kann ich dann nicht mehr viel machen, ich esse etwas und gehe dann sofort ins Bett (ca. um acht Uhr, kommt darauf an, wann ich heimkomme).